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VonMartin

Frauenpriestertum – Ja oder Nein?

Gerade durch den geplanten „Synodalen Weg“ der deutschen Bischofskonferenz sowie der Bewegung „Maria 2.0“ innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland ist das Thema „Frauenpriesterum“ wieder ganz aktuell in den kirchlichen Debatten. So wundert es nicht, dass dies auch durchaus beim Religionsunterricht an den Schulen kontrovers diskutiert wird. Eine 16-jährige Schülerin hat dazu einen Aufsatz geschrieben, den wir freundlicherweise hier veröffentlichen dürfen:

Die Rolle der Frau wurde in der Kirche im Laufe der Zeit mehr ernst genommen. Mädchen dürfen Messdienerinnen werden, Frauen Pastoralreferentinnen. Ein enormer Fortschritt und trotzdem sind viele noch nicht zufrieden: Die Bewegung „Maria 2.0“ bekommt immer mehr Aufmerksamkeit und Zuspruch, sogar von katholischen Priestern, die in den Predigten dafür plädieren, der „Diskriminierung“ ein Ende zu setzen.

An einem Sonntag nach der Messe kam eine Frau auf mich zu und sagte: „Ihr müsst kämpfen. Es liegt an euch, etwas zu verändern.“ Ich wusste genau, was sie meinte. „Ganz ehrlich: Ich fühle mich nicht diskriminiert“, entgegnete ich. Die Frau war schockiert. Mit meiner Antwort hatte sie nicht gerechnet.

Das Frauenpriestertum ist ein sehr umstrittenes Thema, und in einigen Augen ist die Kirche frauenfeindlich. Ist das wirklich so?

Wenn man auf die Kirchengeschichte zurückblickt, gibt es doch einige Frauen, die besonders herausstechen, zum Beispiel Maria, die Mutter Jesu. In fast jeder Kirche findet man eine Marienstatue, den Rosenkranz betet man, weil Maria vor über 100 Jahren drei einfachen Kindern aufgetragen hat, für den Frieden zu beten und Marienwallfahrten sind immer noch Gang und Gebe.

Maria ist uns ein Vorbild, da sie „Ja“ zu Gott sagte und miterleben musste, wie er unschuldig gekreuzigt wurde. Ihre Stärke in diesem Leid und ihr Vertrauen auf Gott, aber vor allem die Tatsache, dass sie die „Mutter Gottes ist“, machen sie zu etwas Besonderem, weswegen sie nicht ohne Grund in der Kirche verehrt wird. Dann wären da noch Kirchenlehrerinnen wie Hildegard von Bingen und Heiliggesprochene wie Mutter Teresa, die sich selbstlos für Arme und Kranke eingesetzt hat, ganz gleich welcher Religion sie angehörten. Sie hat viel als „Bleistift Gottes“ bewirkt: Die Gründung eines Ordens, der sich weltweilt für Arme, Kranke und Ausgegrenzte einsetzt.

Im Text „Priestertum der Frauen“ spricht Ida Raming darüber, dass Frauen an der Gründung von Ortskirchen beteiligt waren. Auch wenn ich mit ihr bezüglich des Frauenpriestertums nicht einer Meinung bin, glaube ich, dass Frauen sich in der Kirche engagieren können und sollen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Kirche. Das geht auch ohne Priesterin, Bischöfin oder Päpstin zu sein. Eine der ersten Jüngerinnen Jesu war Maria Magdalena, die laut der Bibel am Tag der Auferstehung Jesu zum Grab wollte, dort aber von Engeln die Information erhielt, dass Jesus auferstanden sei. Des Weiteren erschien ihr der Auferstandene Jesus zuerst. Sie war diejenige, die diese frohe Botschaft den Jüngern mitteilte. Obwohl sie nicht zum engsten Kreis der Zwölf gehörte, widmete der Vatikan im Jahre 2016 ein Fest, jährlich am 22.Juli.

Die Kirche selbst sieht ihren Auftrag, das Wort Gottes zu verkünden, und dazu ist jeder Einzelne wichtig, sowohl Frauen als auch Männer.

Warum die Kirche Frauen jedoch nicht zum Priestertum zulässt? Priestertum ist ein Dienst an den Gläubigen, und nicht ohne Grund spricht man vom „bischöflichen Hirtenamt“, denn ein Hirt kümmert sich um seine Schafe. Konkret gesagt: Der Bischof kümmert sich um seine Diözese. Außerdem ist der Priester mit der Feier der Eucharistie beauftragt, die auf das letzte Abendmahl zurückzuführen ist. An diesem Abend gab Jesus den Jüngern die Aufgabe, „dies zu {seinem} Gedächtnis“ (Lk 22,19) zu tun, also hat Jesus diesen Dienst am Sakrament nur Männern anvertraut. Männer, die einer Priesterberufung nachgehen, sollen deswegen ihr Amt nicht als Privileg und höhere Machtposition sehen, sondern als Dienst in der Kirche. Der Priester ist also Vertreter Christi, deshalb ist es schon seltsam, wenn Christus von einer Frau vertreten wird. Frauen zum Beispiel können schwanger werden, Männer jedoch nicht, aber dass sich ein Mann darüber beschwert hat, das habe ich noch nie erlebt. Christus hat uns das Priestertum geschenkt, und wir haben alle etwas davon! Ohne Priester könnten wir nicht zur Beichte,  es würde keine Eucharistiefeier geben, kirchlich heiraten usw., aber das allerwichtigste: ohne Priester keine Taufe! Wichtig ist zu berücksichtigen, dass er stellvertretend für Gott die Taufe spendet. In der Beichte sagt der Priester bei der Lossprechung, dass Gott durch den Dienst der Kirche, also den Priester Verzeihung schenkt und im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes von den Sünden losspricht.

Das Amt des Papstes ist ebenfalls auf Jesus zurückzuführen: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“, sagt Jesus zu Petrus in Matthäus, Kapitel 16, Vers 18. Findet da nicht auch eine Diskriminierung statt, weil Jesus noch 11 andere Jünger zur Auswahl hatte? So lesen wir auch in Lukas, Kapitel 22, Vers 24-26: „Es entstand unter ihnen ein Streit darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei. Da sagte Jesus zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker und die Vollmacht über sie haben, lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Jüngste und der Führende soll werden wie der Dienende.“ Dies ist einer der Gründe für die Bezeichnung des Papstes als „Diener der Diener Gottes.“

 Es geht nicht um Macht, die anderen Jünger haben auch einen Auftrag bekommen. Sie sind viel umhergereist, um das Evangelium zu verkünden und haben neue Gemeinden gegründet. Das ist genauso wichtig! Schließlich haben alle Jünger außer Johannes den Märtyrertod erlitten. Jesus hat Petrus das Amt des Papstes als Oberhaupt der katholischen Kirche übergeben, und damit die meiste Verantwortung. Auch er soll – wie die Priester – dienen, so wie Jesus es getan hat: „Ich bin nicht gekommen, um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen.“ (Markus 10,45) Jesus selbst gab sich hin, um die Sünden der Menschheit auf sich zu nehmen und so das Tor zum Reich Gottes zu öffnen, so die theologische Deutung des Leidens und Sterbens Jesu. Es geht hier um einen selbstlosen Akt der Liebe, aus Liebe zu allen Menschen. Papst zu sein ist definitiv nicht der „Traumjob“, die Reisen, in der Öffentlichkeit zu stehen, Einsatz für den interreligiösen Dialog und allgemein viel Arbeit ist sicherlich anstrengend, besonders mit über 80 Jahren.

Nichtsdestotrotz haben die Kardinäle Papst Franziskus (oder Kardinal Bergoglio) gewählt, weil sie ihm zutrauen, dass er als Stellvertreter Christi die Kirche (mit etwa 1 Milliarden Katholiken) gut leiten wird.

Diese Ämterstruktur in der Kirche ist problematisch, weil man denkt, dass es um Macht geht, aber die „Bestimmung“ dieser Ämter ist der Einsatz für die Kirche und die Gläubigen.

Dass es in dieser Struktur (auch heute noch) viel Versagen gibt, ist Jesus sicherlich bewusst, z.B. Petrus´ Verleugnung, Jesus nicht zu kennen. Doch Jesus gab seine Jünger nicht auf. Nach seiner Auferstehung sammelte er die Jünger zusammen und schickte ihnen an Pfingsten einen Beistand, den Heiligen Geist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich da keine Diskriminierung der Frau sehe.

Man hat als Frau verschiedene Möglichkeiten, sich in der Kirche zu engagieren, egal ob als Messdienerin, Pastoralreferentin oder einfach als Gemeindemitglied.

Schon die Tatsache, dass Frauen Messdienerinnen werden dürfen, ist ein enormer Fortschritt, den ich willkommen heiße. Die Aufgabe des Priesters ist, Stellvertreter Christi zu sein, und Jesus hat nur Männer für diesen Dienst ausgewählt. Wie Papst Johannes Paul II. 1994 schrieb, ist der „Ausschluss von Frauen vom Priesteramt in Übereinstimmung mit Gottes Plan für die Kirche“.

Zwar stimme ich in diesem Punkt mit der Kirche überein, dies bedeutet jedoch nicht, dass ich nichts an der Kirche zu kritisieren habe. Ich sehe da Verbesserungspotenzial, ob die Einführung des Frauenpriestertums die Kirchenbänke wieder füllt, wage ich zu bezweifeln.

Unser Ziel ist doch der Himmel. Wir Christen sollten uns bewusst sein, dass es nicht auf eine Position in der Kirche ankommt, wenn wir nach unserem Tod vor Jesus stehen.

Mutter Teresa sagte einmal: „Christus wird uns nicht fragen, wieviel wir geleistet haben, sondern, mit wie viel Liebe wir unsere Taten vollbracht haben.