Gleichnis von den Talenten – eine Betrachtung

Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten ist bekannt aus dem Matthäus- (25,14-30) und Lukas-Evangelium (19,12-27). Das Urteil für denjenigen, der nichts aus seinem Talent gemacht hat, fällt besonders im Matthäus-Evangelium sehr hart aus. Was könnte dieses Gleichnis uns Christen hierzulande sagen? Eine Betrachtung zu diesem Gleichnis in der österlichen Bußzeit:

Das Gleichnis nach dem Matthäus-Evangelium kurz zusammengefasst: Ein Herr übergibt seinen drei Knechten Talenten: Dem einen fünf, den zweiten drei und den dritten eins – jedem nach seinen Fähigkeiten. Die beiden Ersten handelten mit ihren Talenten und verdoppelten diese, der Dritte hingegen vergrub es in der Erde. Als der Herr wiederkam, belohnte er die Knechte, die ihre Talente vermehrt haben, den Dritten, der das Talent vergraben hatte und es nun seinem Herrn zurückgab, traf das harte Urteil: Er bezeichnete ihn als einen bösen und faulen Knecht und befahl, diesen Knecht hinaus in die Finsternis zu werfen, in der Heulen und Zähneknirschen herrscht.

Es liegt in der Natur des Menschen, dass das, was wir besitzen, unseren eigenen Verdiensten zuschreiben. Die Vorstellung dass wir nicht Besitzer sondern nur Verwalter unserer Güter sind, über die wir am Ende Rechenschaft ablegen müssen, läuft uns doch eher zuwider. Dies kann man mit dem christlichen Glauben ähnlich sehen. Schnell kann die Versuchung kommen, dass mit all den Gebeten, die wir verrichten, mit der christlichen Literatur, die wir lesen und all den Gottesdienstbesuchen sich der Dünkel einschleicht, dass wir uns hier selber etwas aufgebaut haben. In einem zunehmenden entchristlichen Land wie dem unseren, kann dann noch das Gefühl hinzukommen, quasi zu einer Elite zu gehören. „Ach die armen Leute um uns herum, die nichts von Gott und dem christlichen Glauben wissen“, mag man denken. Haben wir an die Gnaden gedacht, die Gott uns geschenkt hat, dass der Glaube an Ihm uns zuteil wurde?

Wir können nicht wissen, welche „Talente“ der Herr den für uns „ungläubigen Menschen“ hat zuteil werden lassen. Wenn sich diese gegen das Christentum und die Gebote Gottes wenden, dann gilt für uns erst einmal die Unschuldsvermutung: „Vater vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“. Welches tun aus Gottes Sicht gut und welches schlecht ist, wissen wir Christen, die nicht nur vom Taufschein sondern auch vom Bekenntnis her Christen sind, sehr wohl! Und dieses Wissen verpflichtet: „Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel verlangt.“ (Lk 12,48)

Mit den vielen Heiligen haben wir auch viele Zeugnisse von Menschen, die ihre Talente um ein Vielfaches vermehrt haben – aber es gibt auch die tragischen Zeugnisse. Folgende zwei finden wir in der Bibel: Da wäre im Alten Testament der König Salomo – der Nachfolger des Königs David. Er ist gut gestartet, indem er Gott um ein weises Herz bat mit dem er dann auch regierte, den Tempel baute, das Hohe Lied verfasste sowie viele Sprüche und einige Psalmen. Doch dann heiratete er viele Frauen aus anderen Kulturen und wurde Gott zusehends untreu, da er auch die Götzen dieser Frauen mit anbetete. Schließlich zerbrach das Königreich am Ende seiner Herrschaft. Noch tragischer ist das Zeugnis Judas Iskariot aus dem Neuen Testament. Er war ein Jünger Jesu und somit immer bei seinem Meister, den Sohn Gottes und Erlöser der Menschheit. Doch hat er wohl sein Herz so stark verhärtet, dass diese Gnade ihn nicht erreichte: Er verriet seinen Meister und nahm sich danach selbst das Leben. Und Jesus sprach das schreckliche Schicksal über ihn: „Es wäre besser für ihn, er wäre nie geboren worden!“ (Mt 26,24)

Solche Schicksale sollten für uns Christen eine Mahnung sein. Dadurch in (Höllen-)Angst zu verfallen, wäre aber das andere Extrem. Denn auch die Angst lähmt und hindert uns daran, das Gute und Richtige zu tun. Fangen wir vor allen mit den kleinen Dingen an! Die kleine Tat, die nette Geste, die Zuvorkommenheit und Freundlichkeit gegenüber den Mitmenschen. Sich dadurch im Guten einzuüben ist viel besser, als von den großen Dingen zu schwärmen, etwa die Leute zu bekehren oder an das eigene Martyrium zu denken. Diese Gedanken trichtert uns der Teufel gerne ein, wenn er es dadurch schafft, uns von den guten Taten im Alltag abzuhalten. Nicht umsonst heißt es: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“.

Der Maßstab für unser christliches Handeln sollte immer die Liebe sein, also dem Nächsten selbstlos gutes zu wollen. Darin zu wachsen ist das Handeln mit den Talenten, die Gott uns gegeben hat. Das Zitat „Liebe und tue, was du willst“ des heiligen Augustinus bedeutet, dass wenn unser Handeln ganz von der Liebe durchdrungen ist, wir dann auch immer das Richtige tun. Gerade wir Christen werden merken, wie weit wir noch davon entfernt sind, aber Gott hat uns auch dieses Leben geschenkt, dass wir uns jeden Tag neu darin einüben. Lassen wir uns dazu durch ein Zitat der heiligen Mutter Teresa ermutigen: „Nicht alle von uns können große Dinge tun. Aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun.“

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